Fischfutter mal anders…

Sea-Monkeys haben nichts mit Affen oder Meerkatzen zu tun.

Ihr wissenschaftliche Bezeichnung lautet “Artemia” und sie sind ausserdem unter den Namen der Salzkrebse, Salinenkrebse oder Urzeitkrebse bekannt. Jeder wird mal eine Tüte in seiner Mickey-Maus-Ausgabe ergattert, und dann Mutti mit Zuchtversuchen die Marmeladengläser geklaut haben. Aber ich werde keinen Vortrag über langweiliges Tierfutter halten (obwohl es als Hauptaufgabe scheint sich als Leckerbissen zu präsentieren), denn es gibt viel mehr über diese Überlebenskünstler zu berichten.

Seit über 195 Millionen Jahren leben sie unverändert auf “unserem” Planeten. Da muss man sich vorstellen, vom Flugsaurier bis hin zum ersten Haustier eines Vierjährigen, alles gesehen und erlebt. Natürlich wird ein einzelnes Exemplar nicht ganz so alt. Wenn alles gut geht schafft so ein Krebs sogar eineinhalb Jahre, was in Anbetracht der Größe von 1 bis 2 cm ja doch recht annehmbar ist. Für die elf Beinpaare braucht es schließlich etwas Platz. Sie führen ihre leckeren Algensnacks auch mit genau Diesen zu ihrem Mund.

Erstaunlich ist ihre schlaue Überlebensstrategie. Sobald der Salzgehalt ihres Lebensraumes (Salzseen und auch kleinere Tümpel) steigt, wissen die Artemia das ihre Zeit gekommeCertain Things (Dominik Eulberg Remix)n ist, denn ohne Wasser können sie nicht überleben. Also werden noch schnell Eier gelegt bevor sie sich guten Gewissens zur letzten Ruhe legen. Denn sie wissen, sobald der See sich wieder füllt, schlüpfen die Larven und sichern weiter Millionen Jahre des Daseins. Die Eier sind extrem Widerstandsfähig. Bei Versuchen wurden sie Temperaturen von -200°C und über 100°C ausgetzt, selbst ein Jahr ohne Sauerstoffzufuhr hat die Kleinen nicht im Geringsten gestört. Frisch und munter schlüpften sie aus ihrer Hülle. Anmerkung für alle Aquaristiker: leere Eihüllen sollten Jungfischen nicht verabreicht werden, da sie zu schmerzhaftem Darmverschluss führen können…

Aber nun zum interessanten Teil: der Geschlechtsakt. Wenn der See austrocknet und der Salzgehalt sinkt, wird das Signal zur Fortpflanzung lauter. Dann schwimmen Männchen und Weibchen bis zu einer Woche (!) umklammert in ihrem Teich herum. Der Eiersack bildet sich dann aus und es können Eier abgelegt werden. Übrigens, bis zu dreihundert Stück.

Aber wie es oft so ist: es ist kein Mann in Sicht. Die Krebsfrau weiß sich zu helfen und betreibt einfach Jungfernzeugung (Parthenogenese). Es können dann nur weibliche Nachkommen schlüpfen, aber irgend woanders war ja sicherlich ein Männchen bereit, eine Woche schwimmen zu gehen. Der Kreislauf bleibt erhalten.

Also Freunde, wann immer ihr im Zoogeschäft an Sea-Monkey-Urzeitkrebs-Artemia vorbeikommt, denkt daran wie außergewöhnlich sie sind, und wie toll sie sich paaren.

 
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Eine Antwort auf Fischfutter mal anders…

  1. Julia sagt:

    Tja, das mit “Musikdatei” einfügen hat dann wohl nicht so ganz geklappt. Nicht wundern, der Song steht jetzt irgendwo mitten im Text ohne sich abzuspielen. Denkt euch selbst ein schönes Lied dazu :)